Das dualistische und rationalistische Personenverständnis
Das dualistische und rationalistische Personenverständnis bei Descartes oder Locke betont das Selbstbewusstsein, Überlegung und vernünftige Reflexion. Laut der Theorie der embodied cognition sind wir bereits durch unsere körperlichen Erfahrungen mit uns selbst vertraut, und dieses Selbstvertrautsein ist eher etwas, das wir körperlich spüren, anstatt bewusst zu wissen.
Diese Perspektive argumentiert, dass all unsere Handlungen und Erfahrungen in unser leibliches Gedächtnis eingehen und als Erfahrungen und Bereitschaften darin gespeichert bleiben. Dieses implizite Gedächtnis zeigt sich in verschiedenen Formen:
- Prozedurales Gedächtnis:
Es ermöglicht uns, bestimmte Handlungen und Fertigkeiten auszuführen, ohne dass wir uns bewusst daran erinnern müssen. Es ist das Gedächtnis für Fähigkeiten und Handlungsabläufe.
- Situatives Gedächtnis:
Dieses Gedächtnis speichert Informationen über bestimmte Situationen und Kontexte. Es ermöglicht uns, in verschiedenen Umgebungen angemessen zu reagieren und zu kommunizieren.
- Intuitive, non-verbale Kommunikation:
Durch dieses Gedächtnis können wir non-verbale Signale verstehen und darauf reagieren, ohne dass wir sie bewusst analysieren müssen. Es spielt eine wichtige Rolle in zwischenmenschlichen Interaktionen.
- Zwischenleibliches Gedächtnis:
Dies bezieht sich auf die körperliche Empfindung und das Verständnis der eigenen Körperlichkeit sowie die Wahrnehmung anderer Körper. Es trägt dazu bei, dass wir uns selbst und andere in einem physischen Raum erleben und verstehen können.
Diese Formen des impliziten Gedächtnisses zeigen, wie stark unsere körperlichen Erfahrungen und Interaktionen unser Verständnis von uns selbst und anderen prägen, und sie werfen Zweifel an der rein rationalistischen Betrachtung der menschlichen Person auf, wie sie von Descartes und anderen vertreten wurde.

Wir betonen hier die Bedeutung des leiblichen Ausdrucks und Verhaltens für die persönliche Identität und das Wohlbefinden von Demenzkranken. Hier sind einige Schlüsselpunkte:
- Leibliche Persönlichkeitsstruktur:
Die individuellen Haltungen, Ausdrucks- und Verhaltensweisen sind in Fleisch und Blut übergegangen und formen die leibliche Persönlichkeitsstruktur eines Menschen.
- Leibliches Gedächtnis:
Selbst bei fortgeschrittener Demenz bleiben viele Aspekte des leiblichen Gedächtnisses erhalten, wie der prozedurale Umgang mit Gegenständen. Dieses leibliche Gedächtnis bietet dem Patienten eine Vertrautheit und Sicherheit, insbesondere in ihrer gewohnten Umgebung. Orientierung in Raum und Zeit. Dies ist besonders relevant für das Wohlbefinden von Demenzkranken.
- Leibliche Orientierung:
Die leibliche Orientierung im Umraum, basierend auf den Vertrautheiten der Dinge, ist wichtiger als die abstrakte Orientierung in Raum und Zeit. Dies ist besonders relevant für das Wohlbefinden von Demenzkranken.
- Kontinuität durch Zwischenleiblichkeit:
Die zwischenleibliche Interaktion und die emotionale Bindung spielen eine entscheidende Rolle bei der Aufrechterhaltung der Kontinuität des Selbst. Demenzkranke können weiterhin eine differenzierte Gefühlswelt erleben und stark mit anderen interagieren.
- Selbsterleben und Personsein:
Trotz Gedächtnisverlust und kognitiver Einschränkungen behalten Demenzkranke ein basales und persönlich geprägtes Selbsterleben bei. Dies unterstreicht die Bedeutung der leiblich-zwischenleiblichen Realisierung des Personseins.
Es ist sehr wichtig, die individuellen Bedürfnisse und Gewohnheiten von Demenzkranken zu verstehen und eine Umgebung zu schaffen, die ihre leibliche Persönlichkeitsstruktur unterstützt und ihre Lebensqualität verbessert.